01.09.2014 - Stellungnahme des SSFV zum Positionspapier der Gruppe "Swiss Fiction Movement"

Positionspapier der Gruppe Swiss Fiction Movement
Stellungnahme des SSFV

Das anlässlich des Filmfestivals Locarno vorgestellte Positionspapier der Filmschaffenden der Gruppe „Swiss Fiction Movement“ wird vom SSFV grundsätzlich als positiv und interessant erachtet. Der Vorstand des SSFV (Berufsverband der professionellen FilmtechnikerInnen national und SchauspielerInnen Deutsch-schweiz) sieht es jedoch als problematisch an, wenn seine Mitglieder bei den angestrebten kostengünstigen Nachwuchsfilmen empfindliche Lohneinbussen in Kauf nehmen müssten.

Nachwuchsfilme mit qualifizierten TechnikerInnen

Neben der Ausbildung von RegisseureInnen fehlt es mehrheitlich an gezielter Ausbildung in den filmtechnischen Berufen. Um sich weiter entwickeln zu können, brauchen „Nachwuchsregisseure“ auch ein qualifiziertes Team.

Qualität im Schweizer Film

Die Qualität im Schweizer Filmschaffen wird – nicht zu Unrecht – mit Regisseuren und Drehbuchautoren in Zusammenhang gebracht. Dabei wird meistens vergessen, dass FilmtechnikerInnen bei der Herstellung von Filmen eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Zu den „guten“ oder „erfolgreichen“ Filmen trägt immer auch die Professionalität der FilmtechnikerInnen bei.
Diese Professionalität kann nur durch eine konstante Beschäftigung der FilmtechnikerInnen gewährleistet werden. Filme zu gestalten, ob inhaltlich, künstlerisch oder technisch, ist kein Hobby und auch kein Nebenerwerb. FilmtechnikerInnen müssen regelmässig arbeiten, um ein beständiges Mass an Know-How garantieren zu können, auf das Regisseure und Produzenten zurückgreifen können. Egal, ob diese zum Nachwuchs gezählt werden oder nicht. Zu einer regelmässigen, offiziellen Arbeit gehört, wie in anderen Wirtschafts- und Kulturbereichen üblich, die angemessene Entlöhnung für geleistete Arbeit sowie das Einhalten der Bestimmungen des Arbeitsgesetzes.
Um regelmässig arbeiten zu können, müssen FilmtechnikerInnen von ihrer Arbeit leben können. Etwas, was in de Schweiz aufgrund des steigenden Lohndrucks nicht nur bei Nachwuchsprojekten, sondern auch bei sogenannten „Low Budget“ Filmen, oder schlicht und einfach unterfinanzierten Filmen, die sich als Nachwuchs- oder Low Budget Filme tarnen, immer schwieriger wird.

Investition in den Schweizer Film

Sprechen wir mal Klartext: Die von der Swiss Fiction Movement geforderten Lohrückstellungen sind de facto Investitionen der FilmtechnikerInnen in den Schweizer Nachwuchsfilm.

Dazu ein Rechenbeispiel.
In ihrem Papier geht die Swiss Fiction Movement davon aus, dass im Jahr 2013 vom BAK eine Herstellungsunterstützung von durchschnittlich CHF 613’000 pro Spielfilm („Grossproduktionen“) zugesprochen worden ist. Da davon ausgegangen werden kann, dass 25% der Budgets von sogenannten Grossproduktionen für Lohn- und Lohnnebenkosten (Sozialleistungen) verwendet werden, entspricht der Lohnanteil dieser Fördermittel ca. CHF 150’000.- pro Film.
Erfahrungsgemäss wurden in den letzten Jahren bei den vom Bund subventionierten Schweizer Spielfilmen durchschnittlich 15% der Lohn- und Lohnnebenkosten zurückgestellt, was anhand dieses Beispiels eine Investition der FilmtechnikerInnen von durchschnittlich ca. CHF 23’000.- pro Spielfilm bedeutet. Dabei nehmen FilmtechnikerInnen nicht nur Lohnkürzungen hin, sie akzeptieren auch Kürzungen ihrer Sozialleistungsbeiträge.

Die von der Swiss Fiction Movement verlangte Lohnrückstellung/Investition der FilmtechnikerInnen geht weit über diese 15% hinaus.

Angesichts der Tatsache, dass FilmtechnikerInnen immer wieder durch Lohn- und Rentenrückstellungen die Produktion von Spielfilmen in der Schweiz mitfördern, verlangt das SSFV eine aktive Teilnahme an Diskussionen um die mögliche Einführung neuer Förderinstrumente.
Zudem erinnert das SSFV daran, dass bei allen Schweizer Produktionen sowie bei Koproduktionen mit majoritärem schweizerischen Anteil die mit den Produzenten-verbänden ausgehandelten Vertragsmuster sowie die Allgemeinen Anstellungs-bedingungen (AAB) und Richtlöhne eingehalten werden sollen.

Das SSFV als Vertreter der FilmtechnikerInnen hofft auf einen angeregten und offenen Austausch mit allen involvierten Parteien.

Für den Vorstand:
Christian Schläpfer, Präsident
Claudia Sontheim, Vorstandsmitglied